Selbstverletzendes Verhalten

Selbstverletzendes Verhalten - Wenn der Schmerz trösten soll! Deutlich sichtbare Narben von jungen Mädchen sind längst kein Tabuthema mehr!

Jugendliche haben auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden viele verschiedene Themen zu bewältigen. Dazu gehört auch, mit unterschiedlichsten Gefühlen und mit äußeren und inneren Spannungen umgehen zu können. Das ist nicht leicht!

Viele junge Menschen erleben ihre Welt und ihre Emotionen als nicht veränderbar, als immerwährend und wahrhaftig, sie empfinden ihre Gefühle subjektiv.
 
Werde ich von einem Mitmenschen gekränkt, kann ich darüber traurig oder wütend sein, ich kann versuchen meine Gefühle meinem Gegenüber mitzuteilen oder gar sein Verhalten zu verstehen, um in Zukunft ein einfühlsameres Miteinander zu  ermöglichen.
Diesem friedvollen Umgang gehen jedoch eine gewisse Reifung und Erfahrung voraus. Diese Selbstreflexion und der Mut, über eigene Gefühle sprechen zu können, entwickeln sich im Laufe unseres Lebens und sind auch nicht für alle Menschen möglich. Das macht es für die betroffenen Personen sehr schwer, über belastende Situationen zu reden oder mit negativen Gefühlen umzugehen. 

Wusstest Du, dass …

… aus der Geschichte und verschiedenen Kulturen Selbstgeißelung als religiöse Handlung, um Willensstärke und gläubige Opferbereitschaft zu demonstrieren, bekannt ist. Dieses spirituelle Ritual war sozial akzeptiert und kulturell eingebunden und wurde daher nicht als eine „Krankheit“ gesehen.

Was bedeutet aber überhaupt selbstverletzendes Verhalten?

Selbstverletzendes Verhalten meint eine absichtlich herbeigeführte Verletzung oder Beschädigung des eigenen Körpers. Diese findet nicht in der Absicht statt, sich das Leben zu nehmen. Die herbeigeführten Verletzungen können jedoch sehr wohl ein lebensbedrohliches Ausmaß annehmen und zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen führen (Blutvergiftung, Infektionen, Durchtrennen von Nerven usw.).

Selbstverletzendes Verhalten kann ein Versuch sein, mit starken innerlichen Spannungen umzugehen. Der körperlich absichtlich hinzu gefügte Schmerz ist ein Ventil für das innerlich gefühlte Leid und wirkt scheinbar beruhigend. Diese selbst gesteuerte Ablenkung von der ohnmächtigen Verzweiflung zur selbst herbeigeführten Beruhigung dürfte der zentrale Punkt bei selbstverletzendem Verhalten sein. Durch das selbstzerstörende Verhalten wird das Gefühl, seine Emotionen und seinen Körper wieder in eigene Kontrolle zurück zu bekommen, vorgetäuscht. Diese beruhigende Wirkung hält jedoch nur kurz an und massive Schuldgefühle plagen die betroffene Person.

Wusstest Du, dass…

…selbstverletzendes Verhalten auch als autoagressives Verhalten bezeichnet wird, „auto“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "ohne fremdes Zutun“. 

Können Gefühle und Spannungen ausgedrückt und daher auch von der Umwelt verstanden werden, entstehen weniger (unerträgliche) Spannungsgefühle.

Voraussetzung hierfür ist letztendlich auch die Möglichkeit Vertrauen in sich, seine Handlungsmöglichkeiten und in andere gewinnen zu können. Auf diesem Weg können PsychologInnen und PsychotherapeutInnen helfen. Wichtig ist nur, sich Hilfe zu holen.

Selbstverletzendes Verhalten kann auch in engem Zusammenhang mit folgenden Erfahrungen und Verhaltensweisen stehen:

  • geringes Selbstwertgefühl und geringe Selbstachtung
  • traumatische Erfahrungen (Gewalterlebnisse, sexuelle Grenzüberschreitungen)
  • allgemeines impulsives Verhalten, geringe Impulskontrolle
  • Erkrankungen wie Essstörungen oder Borderline
  • Beziehungsprobleme in der Familie und im Freundeskreis
  • Alkohol- und/oder Drogenkonsum
  • Verlustängste
  • Stress und starke Spannungsgefühle

Weitere Informationen und eine interessante Broschüre dazu findest du zum Beispiel auf der webiste von wienXtra,                                                                 im Bereich Jugendinfos und Infos von A-Z: www.wienxtra.at

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