Extremismus & Radikalisierung

Gerade im Jugendalter ist das Bedürfnis nach Anerkennung, Orientierung, Identität und Protest stark ausgeprägt.
Extremistische Gruppierungen greifen dieses Bedürfnis auf, daher sind die Jugendlichen sehr empfänglich für deren Botschaften.

Wird jemand radikalisiert, bewegen sich dessen politische Ansichten und das Verhalten mehr und mehr in Richtung eines Randbereichs. 

Radikalisierung kann in verschiedene Richtungen gehen.
Was die politische Richtung angeht, wird zwischen dem Links- und dem Rechtsextremismus und religiösem Fundamentalismus unterschieden:

  • Linksextreme sehen als Hauptübel den Kapitalismus oder sie lehnen den Staat generell ab (Anarchismus).
  • Unter Rechtsextremismus versteht man Nationalismus, der oft mit Rassismus und Ausländerfeindlichkeit verbunden ist. Rechtsextreme sind gegen menschliche Gleichheit, Linksextreme absolut dafür. 
  • Der religiöse Fundamentalismus, z.B. Islamismus, gilt als eine eigenständige Form des Extremismus, jenseits von rechts und links. Er strebt einen "Gottesstaat" an.
  • Religiöse Radikalisierung betrifft nicht nur Jugendliche mit Migrationshintergrund. 

Bei allen drei Extremismusformen wird die westliche Demokratie abgelehnt.

Es gibt unterschiedlichste Gründe für eine Radikalisierung.
z.B. Unzufriedenheit mit sich selbst, Frustration, Probleme daheim oder in der Schule. Oft fehlen gute Freundschaften, die Jugendlichen möchten aber dazu gehören. Besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund haben oft Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht, Zukunftsperspektiven fehlen. Da haben extremistische Gruppierungen leichtes Spiel, die Jugendlichen mit ihren Botschaften zu „ködern“. 


Die Hauptmotive für Mädchen und junge Frauen, sich extremistischen Gruppierungen anzuschließen, sind die Suche nach einem Sinn, nach Schwesternschaft und der eigenen Identität. Durch die Zugehörigkeit  fühlen sich die Mädchen überlegen und nehmen sich selbst „sichtbarer“ wahr. 

Es gibt kein Standardschema, nach dem Radikalisierung abläuft, aber ein paar Verhaltensweisen die darauf hindeuten können. 

Verhaltensweisen die auf eine Radikalisierung hindeuten:

  • Die Lebensweise des /der Jugendlichen ändert sich deutlich.
  • Kontakte zu bisherigen FreundInnen werden stark reduziert. 
  • Einschlägige Seiten und Foren im Internet werden besucht.
  • Es kommt zu aggressiven Reaktionen, wenn es um die eigene politische Überzeugung oder Religion geht.
  • Der Einsatz von Gewalt wird verherrlicht. 

Wenn Sie befürchten, dass Jugendliche, mit denen Sie zu tun haben, radikalisiert werden, sollten Sie versuchen, sie zu verstehen. Bleiben Sie im Gespräch und reden Sie über deren Ansichten, Einstellungen und Bedürfnisse.  Es ist nicht einfach, einzuschätzen, ab wann es wirklich gefährlich wird und wann es sich um eine jugendliche Provokation handelt, weil Veränderungen im Erwachsenwerden bis zu einem gewissen Grad normal sind. So kann die Tendenz zu einer Radikalisierung leicht übersehen werden.

  • Tauschen Sie Informationen mit Eltern, Elternverein, Schulsprecher, Schulrat, Polizei, Jugendamt etc. aus. 
  • Holen Sie sich Hilfe! Besprechen Sie mit anderen Erwachsenen in der Schule und aus der örtlichen Gemeinschaft Möglichkeiten der Annäherung an das Thema.
  • Sprechen Sie das Thema nicht an, wenn Sie sich dazu gefühlsmäßig und fachlich nicht bereit fühlen.
  • Spielen Sie das Gespräch mit dem / der Jugendlichen, bevor es stattfindet, innerlich durch.

Prävention:

  • Fordern sie als LehrerIn / MultiplikatorIn Fortbildungen im Bereich Radikalisierungsprävention ein
  • Helfen Sie den Jugendlichen bei der Ausbildung ihrer kommunikativen und sozialen Kompetenzen, die sie für den Dialog, den Umgang mit Meinungsverschiedenheiten und die friedliche Auseinandersetzung mit Veränderungen benötigen. Hier finden Sie zum Beispiel sehr ansprechende Übungsmaterialien der Caritas. Von der UNESCO gibt es ein Handbuch für LehrerInnen und Lehrer zur Prävention zu Extremismus. 
  • Regen Sie die Jugendlichen zum kritischen Denken an, um Behauptungen und Gerüchten nachzugehen und sie zu überprüfen und die Legitimität extremistischer Überzeugungen zu hinterfragen.
  • Unterstützen Sie die Jugendlichen, soziale und emotionale Fähigkeiten zu entwickeln, damit sie sich konstruktiv und gewaltfrei am gesellschaftlichen Leben beteiligen können.

Anlaufstellen, Informationen und Quellen: 

www.beratungsstelleextremismus.at
www.antworten-auf-salafismus.de/radikal/erkennen/
www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus
bildung.bmbwf.gv.at/schulen/beratung/jugendundextremismen.html
www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/

Sie können auch das Frauengesundheitszentrum FEM Süd kontaktieren.