Extremismus & Radikalisierung

Machen Sie sich Sorgen um Ihr Kind? Sind Sie verunsichert, ob Gefahr besteht?

Rebellion gegen Eltern, aggressives Verhalten und Grenzen austesten sind oft normale Verhaltensweisen von pubertierenden Jugendlichen. Aber ab wann kann man von Extremismus sprechen?

Gerade im Jugendalter ist das Bedürfnis nach Anerkennung, Orientierung, Identität und Protest stark ausgeprägt. Die Ideologien der extremistischen Gruppierungen greifen dieses Bedürfnis auf, aus diesem Grund sind die Jugendlichen sehr empfänglich für deren Botschaften.

Radikalisierung ist jener Prozess, im Zuge dessen jemand radikal wird, d.h. die politischen Ansichten und das Verhalten (z.B. Aufhetzung) bewegen sich in Richtung eines Randbereichs (eines Extrems). 

Radikalisierung kann in verschiedene Richtungen gehen. Was die politische Richtung angeht, wird zwischen dem Links- und dem Rechtsextremismus unterschieden. Linksextreme sehen als Übel des "Systems"  die Struktur der "kapitalistischen Klassengesellschaft"  (die Antwort wäre Kommunismus) oder sie lehnen den Staat generell ab (Anarchismus). Unter Rechtsextremismus versteht man Nationalismus, der oft mit Rassismus und Ausländerfeindlichkeit verbunden ist. Rechtsextreme sind gegen menschliche Gleichheit, Linksextreme absolut dafür. Der religiöse Fundamentalismus, z.B. Islamismus, gilt als eine eigenständige Form des Extremismus, jenseits von rechts und links. Er strebt einen "Gottesstaat" an. Von allen drei Extremismusformen wird die westliche Demokratie abgelehnt.

Es gibt kein Standardschema, nach dem Radikalisierung abläuft, aber ein paar Verhaltensweisen, die auf einen Radikalisierungsprozess  hindeuten können:

  •     Die Lebensweise des /der Jugendlichen ändert sich deutlich.
  •     Kontakte zu bisherigen FreundInnen werden stark reduziert. 
  •     Einschlägige Seiten und Foren im Internet werden besucht.
  •     Es kommt zu aggressiven Reaktionen, wenn es um die eigene politische Überzeugung oder Religion geht.
  •     Der Einsatz von Gewalt wird verherrlicht. 

Wenn Sie als Eltern befürchten, dass ihr Kind radikalisiert wird, ist es wichtig zu versuchen, Ihr Kind zu verstehen. Bleiben Sie mit ihm im Gespräch und reden Sie über seine Ansichten, Einstellungen und Bedürfnisse.  Es ist nicht einfach, einzuschätzen, ab wann es wirklich gefährlich wird und wann es sich um eine jugendliche Provokation handelt. Veränderungen im Erwachsenwerden sind normal. So kann schnell die Tendenz zu einer Radikalisierung übersehen werden.

Was ebenfalls wichtig ist, zu wissen – religiöse Radikalisierung betrifft nicht nur Jugendliche mit Migrationshintergrund. Es gibt unterschiedlichste Gründe für eine Radikalisierung, z.B. Unzufriedenheit mit sich selbst, Frustration, Probleme daheim oder in der Schule. Oft fehlen gute Freundschaften, die Jugendlichen möchten aber dazu gehören. Besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund haben oft Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht, oft fehlen Zukunftsperspektiven. Da haben extremistischen Gruppierungen leichtes Spiel, die Jugendlichen mit ihren Botschaften zu „ködern“. 

Neben unserer Arbeit mit den Mädchen, beispielsweise im Projekt WERT VOLL, spielen die Eltern bzw. vor allem die Mütter eine wichtige Rolle, um einer möglichen Radikalisierung vorzubeugen. Mütter haben meist den besten Zugang zu ihren Kindern. Sie nehmen am ehesten Veränderungen ihrer Kinder wahr. Sie sollten versuchen, einfühlsam in ein vertrauensvolles Gespräch zu kommen. Nur mit individueller Zuwendung und Unterstützung von Vertrauenspersonen kann einer Radikalisierung entgegengewirkt werden. 

Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie nicht mehr weiter wissen und wenden Sie sich an die Helpline der Beratungsstelle Extremismus unter 0800 2020 44 oder schicken Sie eine E-Mail an: .

Tipps für Eltern

  • Hinterfragen statt belehren: Bei Jugendlichen hilft es oft, zu hinterfragen statt zu belehren. So können Sie auf Widersprüche in der Argumentation hinweisen.
  • Widersprechen: Reagieren Sie auf Äußerungen, in denen es um die Abwertung anderer geht. Lassen Sie diese nicht unwidersprochen im Raum stehen.
  • Grenzen setzen: Zeigen Sie, dass Sie Ihr Kind als Person respektieren und unterstützen, aber keine islamistische, extrem rechte oder extrem linke Einstellung tolerieren.
  • Hilfe anbieten, aber Vorwürfe unterlassen. Bieten Sie immer wieder Unterstützung an. Vermeiden Sie – bei aller nötigen Konsequenz – den Kontakt abzubrechen.
  • Gemeinsam wirken: Arbeiten Sie eng mit den Lehrkräften Ihres Kindes zusammen.

Anlaufstellen, Informationen und Quellen

https://www.beratungsstelleextremismus.at/
https://www.antworten-auf-salafismus.de/radikal/erkennen/
http://www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/beratung/jugendundextremismen.html
https://www.eltern-bildung.at/ Religiös begründeter Extremismus
https://www.eltern-bildung.at/ Politscher Extremismus

Sie können auch das Frauengesundheitszentrum FEM Süd kontaktieren.